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Entstehung und Geschichte der

Hunderasse Eurasier

 

Eurasier Information © 2003

Entstehungsgeschichte des Hundes

Die Theorien zum Stammvater des Hundes waren vielfältig, wobei sich letztendlich immer mehr die Auffassung durchsetzte, dass sich alle Hunderassen wahrscheinlich aus einer einzigen Spezies entwickelt haben: dem Wolf. "Als Stammväter gelten ... die kleinen, weniger kompakten asiatischen Wölfe, die einen dünneren Pelz besitzen und in wärmeren Klimazonen angesiedelt waren. Dieser Wolfstypus weist mehr Ähnlichkeit mit den heutigen verwilderten Hunden auf und legt die Vermutung nahe, dass hier die Ahnenreihe beginnt" (1). Zu diesem Schluss kam nach einer umfangreichen und interessanten Betrachtung der Abstammungstheorien auch Erik Zimen, in dem er abschließend feststellte, dass "es keinen einzigen Hinweis gibt, kein anatomisches, physiologisches, ethologisches oder ökologisches Merkmal, das nicht für den Wolf spricht" (2). Der Wolf allein ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Stammvater vom Irischen Wolfshund, vom Chihuahua und schließlich auch vom Eurasier.

Quellen:

(1)    Morris Desmond, Warum wedeln Hunde mit dem Schwanz, Berlin-Darmstadt-Wien 1987, S. 25

(2)    Zimen Erik, Der Hund, München 1992, S. 65

 

Rassegeschichte des Eurasiers

Vom Wolf-Chow zum Eurasier

Die Entstehung des Eurasiers, ursprünglich Wolf-Chow genannt, ist untrennbar mit dem Namen Julius Wipfel verbunden, der sich nach dem Verlust seines schlittenhundartigen Mischlings - Kanadier - intensiv mit der Entwicklung einer neuen Hunderasse beschäftigte. Die Anregung dazu hatte er in den Büchern von Konrad Lorenz gefunden. Gemeinsam mit Charlotte Baldamus und einer kleinen Gruppe von Enthusiasten, begann Julius Wipfel 1960 in Weinheim a.d. Bergstraße mit der planmäßigen Zucht des zukünftigen Eurasiers aus seiner Wolfsspitzhündin Bella, drei ihrer Töchter und drei verschiedenen Chow-Chow-Rüden (1), :

Wolfsspitz Hündinnen Chow-Chow Rüden
Bella von der Waldmühle Arocco vom Felsensteig
Annet von der Bergstraße Ko-San-Lo Pollo-Pong
Asta von der Bergstraße Igor von Kwy-Chu-Florian
Anka von der Bergstraße

Die spätere Gründerin der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V., Charlotte Baldamus, war von Anfang an dabei. Sie erwarb Asta von der Bergstraße, eine der Töchter von Bella von der Waldmühle. Charlotte Baldamus und ihr Zwinger "vom Jägerhof" hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Rasse Eurasier. Wipfel plante zunächst die Erzüchtung von vier, später noch zwei weiteren Linien, aber nur im Zwinger vom Jägerhof (Charlotte Baldamus) wurde die Zucht konsequent bis in die F4/F5-Generation betrieben, wobei Charlotte Baldamus ihr Hauptaugenmerk auf das Verhalten und den erwünschten Typus legte. Die anderen Linien wurden dagegen schon relativ früh untereinander vermischt, so dass in den folgenden Jahren die angestrebte und erforderliche Breite der Zuchtbasis nicht verwirklicht werden konnte. Die erforderliche genetische Breite war zwar in den anderen Linien da, aber die Zuchtauswahl war offensichtlich nicht "zielgerichtet", eher an Äußerlichkeiten orientiert, nicht nach den gleichen Kriterien selektiert wie im Jägerhof und damit waren die Tiere für eine Weiterentwicklung der Population weniger geeignet. Das führte in der Folge zu einer zunehmenden Verwendung von Jägerhoftieren in der Zucht - 1972 betrug der Anteil an Jägerhoftieren über 90% (2) .

Wipfel entschloss sich in dieser Phase der Gefahr abnehmender Fitness entgegenzuwirken, in dem er ab 1972 den Samojedenrüden "Cito von Pol" (auch "Orion von der Bergstraße" genannt) insgesamt achtmal in die Zucht einbezog. Baldamus hingegen beurteilte diese Samojeden-Einkreuzung zunächst eher kritisch, da sie eine Fremdbluteinmischung als Einwirkung auf bereits genetisch gefestigte Merkmale ansah (3). Alfred Müller betrachtet die zu diesem Zeitpunkt lebenden altstämmigen Eurasier (noch ohne Samoyeden-Einmischung) als Zwischenprodukte in einem Durchgangsstadium auf dem Weg zur eigentlichen Rassebildung, denn diese damaligen Eurasier waren "Musterexemplare", also "Einzelstücke" aus einer einzigen Linie. Von einer Rasse kann man erst reden, wenn die erwünschten genetischen Merkmale auf einer stabilen, breiten Basis gefestigt sind. Das geht nur über mehrere ähnlich kontrollierte Zuchtlinien oder über eine behutsame Erweiterung mit Fremdblut plus Rückpaarung um wichtige Merkmale dauerhaft zu erhalten (4).

Nach mehr als zwölf Jahren gemeinsamer Zuchtarbeit trennten sich die Wege der "Eurasier-Pioniere" und Charlotte Baldamus (Jägerhof) gründete zusammen mit Dr. Werner Schmidt 1973 die Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. (ZG)In Zusammenarbeit mit Dr. Werner Schmidt (Biologe und Genetiker) sowie anderen Anhängern verfolgte Charlotte Baldamus ihr Zuchtziel durch sehr geschickte Zuchtauswahl. Man konnte inzwischen auf neue Blutlinien aus einer Ursprungsverpaarung, der Einkreuzung des Samojeden Cito von Pol und der Einkreuzung mit einem Chow zurückgreifen.

Die züchterischen Bemühungen wurden immer wieder von namhaften Verhaltensforschern wie Konrad Lorenz oder Eberhard Trumler unterstützt und nicht zuletzt Erik Zimen beschrieb die damaligen Eurasier als "sehr schöne Tiere, unabhängig und doch anhänglich und häuslich, wachsam, ohne aggressiv zu sein, und auch ohne jede Leidenschaft für die Jagd: ein geradezu idealer, mittelgroßer Familienhund"(5). Sein Rat, in erster Linie die angenehmen Verhaltenseigenschaften zu beachten und sich nicht ausschließlich auf ein bestimmtes Erscheinungsbild (bspw. Haarkleid oder Farbschlag) der Rasse zu konzentrieren, wurde durch die Zuchtverantwortlichen angenommen, da man sich grundsätzlich darüber einig war, dass Gesundheit und Wesen Vorrang vor einem einheitlichen Typ haben sollten.

Wissenswertes hierzu (6): Zimen, Schmidt und Trumler kannten sich persönlich vom gemeinsamen Studium und durch ihre Arbeiten bei und mit Konrad Lorenz. Trumler hörte und interessierte sich zuerst für die neue Rasse und berichtete darüber. Über Trumler erfuhr Werner Schmidt davon. Durch die Lorenz Literatur sensibilisiert, interessierte sich Werner Schmidt sofort, kam mit dem Jägerhof in Kontakt und bestellte sogleich einen Hund. Durch die Berichte und durch Schmidts Hund (Lotus vom Jägerhof, Wurftag 29.08.1970) kam Lorenz erstmals mit dem Eurasier in Kontakt und nahm über Schmidt mit Frau Baldamus Verbindung auf. Konrad Lorenz wollte unbedingt auch so einen Hund haben, der ihn so sehr an einen Hund aus seiner eigenen, ehemaligen Zucht erinnerte (Stasi war entstanden, nachdem sich im Hause Lorenz Chow und Schäferhund verliebt hatten (7)). Erst danach nutzte Wipfel den bestehenden Kontakt. Von Charlotte Baldamus erwarb Prof. Dr. Konrad Lorenz 1972 die Eurasierhündin Nanette vom Jägerhof, die er liebevoll "Babett" nannte.

Quellen:

(1)    Feder Annelie et al., Eurasier - Heute - , Mürlenbach/Eifel 2000, S. 23 und Joachim Hoffman, Der Eurasier, Stuttgart, S. 78

(2)    Müller Alfred  

(3)    Müller Alfred, Eurasier-Nachrichten, Jubiläumsausgabe 1973 - 1998, Berlin-Friedrichshagen 1998, S. 19f

(4)    Müller, Alfred, Eurasier-Nachrichten, Jubiläumsausgabe 1973 - 1998, Berlin-Friedrichshagen 1998, S. 36

(5)    Zimen Erik, Der Hund, München 1992, S. 184

(6)    Müller Alfred

(7)    Konrad Lorenz, Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen, DTV München, 1965, und Konrad Lorenz, So kam der Mensch auf den Hund, Wien, 1954

 

Die ausführliche Geschichte finden Sie auf der Webseite der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. (VDH / FCI):

 

Alfred Müller:   Ursprung und Geschichte des Eurasiers

 

 

Geschichtlich interessante Links in Verbindung mit der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.:

 

 

Gisela Aach:  Eurasier Information - Hauptzuchtleitung der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.

 

Familie Bohley und ihre Eurasier: seit 1979 gehören Eurasier zur Familie Bohley

 

Eurasier von den Sander Tannen: seit 1981 erfolgreiche Zucht der Eurasier von den Sander Tannen, in Bildern dokumentiert.

 

Auf der WebSeite der ZG:

 

Zum Gedenken an Julius Wipfel, den Gründer der Hunderasse Eurasier

 

Zum Gedenken an Dr. Erik Zimen

 

 

 

 

 

 

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