Eurasier,
meine liebenswerten Hunde und Begleiter
Schon
von Kindesbeinen an wollte ich einen Hund. Mein Mann hatte - zum Glück - den
gleichen Wunsch. Beide waren wir mit den Geschichten von Prof. Dr. Konrad
Lorenz, dem Verhaltensforscher und Nobelpreisträger, groß geworden.
Insbesondere die Schilderungen über seine Hündin, die durch eine
unbeabsichtigte Verpaarung zwischen seinem Schäferhund und der Chow-Chow
Hündin seiner Frau entstanden war,
faszinierten uns. Diese Hündin beschrieb Lorenz als eine besonders gelungene
Mischung zweier sehr unterschiedlicher Rassen und Charaktere, mit einem
reizvollen Wesen und einer sehr engen Bindung an ihn. Glücklicherweise hatte sie
die besten Eigenschaften beider Rassen mit bekommen. Tief im Innern wünschte
ich: So einen besonderen Hund will ich auch eines Tages. (Siehe Konrad Lorenz: "So kam der Mensch auf den
Hund", 1950, und "Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den
Fischen", 1949).
1987 stieß ich in
einer Zeitschrift auf einen Artikel zum Thema Eurasier. Begeistert
zeigte ich diesen Beitrag meinem Mann und sofort beschlossen wir, mehr von
dieser für uns unbekannten Hunderasse zu erfahren. Vom ersten Moment an
gefielen uns diese Hunde; die Farbenvielfalt, die Größe, das wuschelige Fell,
aber noch mehr beeindruckte uns schon beim ersten Kontakt ihr Verhalten. Ruhig
und ausgeglichen gaben sie sich, von Aufdringlichkeit keine Spur und selbst bei
größeren Treffen liefen die meisten von ihnen, fernab vom Straßenverkehr, frei und ohne Leine. Ihre
"Zurückhaltung" nahm uns von Anfang an ein: Neugierige
Welpen oder Junghunde ließen sich streicheln, erwachsene Eurasier dagegen
entzogen sich meist geschickt einem Anfassen von "Fremden". Kein Hund sprang
einen an, keiner wurde aufdringlich, sie wahrten einen gewissen Abstand,
zeigten dabei ein freundlich, offenes Wesen. Wir hatten "unsere"
Hunderasse gefunden.
Die Mitgliedschaft in der
Zuchtgemeinschaft für Eurasier
e.V. (ZG) und der Eintrag in die Warteliste für Eurasierwelpen musste zwischen
uns nicht abgestimmt werden. Allerdings dauerte unsere Wartezeit aufgrund
persönlicher Umstände dann doch insgesamt drei Jahre. Eine Zeit, die wir mit
dem Studium der Hunderasse Eurasier und mit der Teilnahme an Eurasiertreffen und
-spaziergängen nutzten. Dann war es endlich soweit und ein Traum ging für uns
in Erfüllung: Zwei Tage vor Weihnachten 1990 holten wir unsere erste
Eurasierhündin, Baronesse von Hassel, ab. Wir nannten sie Ayla.
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Ich hatte alle
Zeit der Welt für diesen kleinen Welpen reserviert, um gemeinsam mit ihr die
Welt aus Hundeaugen neu zu erkunden. Unsere Ayla lernte schnell, sie entwickelte
bald das eurasiertypische Gespür für Stimmungen, sie war anpassungsfähig und
behielt dabei doch ihre eigene Persönlichkeit; sie konnte sogar hin und wieder
- liebenswert - stur sein.
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Ayla war offen, auf angenehme Weise neugierig, und
sie zeigte eine Art Intuition für Situationen und Menschen. Als Welpe und
Junghund war sie Fremden gegenüber sehr freundlich, erst als erwachsene Hündin
entwickelte sie die von uns so geschätzte vornehme Zurückhaltung fremden
Menschen gegenüber. Gelegentlich zeigte sie ihre Zuneigung auch fremden
Menschen. Eine so von ihr erwählte Person stellte sich i.d.R. auch für uns als
sympathisch heraus. Manchmal waren wir sogar davon überzeugt, dass Ayla
besondere Situationen und den Bedarf von Zuspruch und Trost bei einem Menschen
erkannte.
Ayla wurde
erfolgreich angekört und wir konnten einen Wurf mit ihr haben. Damit ging ein
weiterer Wunschtraum in Erfüllung. Ich bereitete mich intensiv auf das kommende Ereignis mit ihr vor.
Sie schenkte sechs
Hündinnen und einem Rüden problemlos das Leben. Ayla hatte sichtlich
Freude an der Aufzucht des Wurfes. Für uns war es ein wunderbares und
lehrreiches Erlebnis und wir beobachteten, wie sich unsere Hündin
instinktsicher um ihren Wurf kümmerte.
Alle Welpen abzugeben, hätten wir nicht
über's Herz gebracht und so behielten wir den Rüden, unseren Merlin.
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Wiederum
wurde mir eine neue Perspektive geboten: Wie sich Mutter und Sohn gemeinsam -
mit mir und meinem Mann - in ihrer und unserer Welt zurechtfanden.
Als Welpe und
Junghund lebhaft, nicht müde zu kriegen und für so manchen Schabernack zu
haben, entwickelte sich Merlin unter unserer Anleitung und der seiner
Hundemutter zu einem umgänglichen und sehr ausgeglichenen
Eurasier.
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Merlin war stets freundlich, immer auf Harmonie bedacht, hat nie
Streit provoziert, im Gegenteil, Merlin trat lieber als "Schlichter"
auf. Umso älter er wurde, umso mehr erinnerte er uns an einen griechischen
Philosophen, der sich mit stoischer Ruhe und Gelassenheit die Welt betrachtete.
Ich schaute ihm gerne tief in seine dunkelbraunen Augen, und hatte dann den
Eindruck er erwartete, dass ich seine Gedanken lese.
Ich forderte
Merlin oder seine
Mutter Ayla öfter dazu auf, mir zu zeigen, was er oder sie möchten. Verlief diese
Kommunikation erfolgreich, strahlte Merlin über das ganze Gesicht, wobei es
Ayla eher als selbstverständlich betrachtete, dass ich nach ihren Wünschen
"fragte". Eines der Spiele, die sie sehr liebte, ging so: Ich
fächerte fünf verschiedene Leckerchen in der Hand für sie auf, und sie
wählte dann mit viel Überlegung ganz genüsslich eines davon aus, das sie
anschließend mit Hochgenuss verspeiste. Es erinnerte mich daran, wie Jemand aus
einer Pralinenschachtel ein oder zwei besonders leckere Exemplare auswählt.
Merlin spielte dieses Spiel auf seine Weise: Ruck zuck nahm er sämtliche
Leckerchen aus meiner Hand, um sie in Windeseile zu vertilgen. "Was man
hat, hat man".
Ayla und ihr Sohn Merlin leben nicht mehr aber sie bestehen
in unseren Erinnerungen weiter. Wir denken oft und gerne an sie.
Der Rasse
Eurasier sind wir treu geblieben. Wir hatten wieder ein
Eurasierpärchen: Eurasierhündin Blikki von Bokina und Jungrüde
Don vom Isselbruch.
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Blikki war als Welpe und Junghund ein Wirbelwind, ein
Energiebündel. Mein Mann nannte Blikki oft "die Kanonenkugel".
Fremden Menschen wich Blikki lieber - freundlich - aus. Dafür saß oder lag sie bei Eurasiertreffen gerne auf fremden Füßen?
Bat ich Blikki sich
von einem Fremden berühren oder streicheln zu lassen, fügte sie sich. Auch beim
Tierarzt kooperierte sie problemlos.
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Blikki machte die elegantesten Sprünge. Sie
hatte ein ausdruckstarkes Gesicht, das ihre Stimmungen nicht verbergen konnte:
lachen, schmollen, fragend schauen, zum Spiel auffordern, etc. Blikki hatte viel
Sinn für Humor und schmuste gerne mit uns. Mit den Jahren war Blikki ruhiger geworden.
Eurasierwelpe Don brachte wieder Leben ins Haus und sorgte als Jungrüde dafür, dass Blikki - und wir - nicht
einrosteten:
In der
Hundeschule hatte ich die Möglichkeit mit Blikki und Don einige kleinere
Agility
Elemente auszuprobieren. Beide hatten Spaß daran. Don apportiert schon mal und,
wie sich ebenfalls in der Hundeschule zeigte, hatte er Freude an etwas
Nasenarbeit. Draußen, im Garten und bei unseren Spaziergängen, ließen Blikki
und Don Dampf ab und tobten und rannten ohne Pause.
Im Haus waren
sie ruhig, man
merkte sie kaum. Ein Nachbar fragte einmal, ob unsere Eurasier überhaupt
bellen können. Sie können es, aber sie äußern sich auf diese Weise
vergleichsweise selten. Sie folgen mir im Haus wohin ich gehe, sind einfach da,
ohne aufdringlich zu sein.
Don ist nun
alleine, fordert seine Streichel- und Spieleinheiten und hält uns am
Laufen.
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Eurasier eben,
unsere liebenswerten Begleiter. |